7 Todsünden – Die süße Versuchung in Graveyard Keeper

Um das Spiel Graveyard Keeper ranken sich viele Theorien. Die Idee, die 6 Charaktere, welche sich mit den Tagen auswechseln, seien 6 Todsünden. Doch das ist nicht ganz richtig und sollte außerhalb eines ideellen Dualismus gesehen werden.

(Vorsicht Spoiler!)

Todsünde? Was ist das?

Wollust, Zorn, Neid, Völlerei, Hochmut, Trägheit und Habgier sind die Todsünden im Christentum. Ursprünglich sind diese bei den sogenannten „menschlichen Lastern“ bei Euagrios Pontikos gegen Ende des 4. Jahrhunderts aufgetaucht. Eigentlich ging es dabei um acht negative Eigenschaften, welchen die Mönche ausgesetzt sind. Erst Papst Gregor I. sorgte für die Ordnung der sieben Todsünden, derer sind:

1. Superbia – Hochmut (Stolz, Eitelkeit, Übermut) (Seit 1992 in der Katechese der Katholischen Kirche auch Stolz genannt)
2. Avaritia – Geiz (Habgier, Habsucht)
3. Luxuria – Wollust (Ausschweifung, Genusssucht, Begehren, Unkeuschheit)
4. Ira – Zorn (Jähzorn, Wut, Rachsucht)
5. Gula – Völlerei (Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Unmäßigkeit, Selbstsucht)
6. Invidia – Neid (Eifersucht, Missgunst)
7. Acedia – Faulheit (Feigheit, Ignoranz, Überdruss, Trägheit des Herzens)

Der Begriff Todsünden ist ein fälschlicher Begriff. In der Katholischen Kirche spricht man von einem Hauptlaster, welcher dann zu weiteren Sünden führen kann. Um einem Laster anzuhängen müssen drei Kriterien erfüllt sein: Wissen, Wollen und Wichtigkeit. Diese Laster Trennen den Menschen von der göttlichen Gnade, was ihn zu einer gewollten Trennung zu Gott führt. Die Wiederherstellung der göttlichen Gnade im Menschen kann nur mit der Beichte, der Krankensalbung oder die Taufe wiederhergestellt und die „Todsünden“ erlassen werden.

Im 16. Jahrhundert wurde jedem Laster ein Dämon zugeordnet. Dabei standen Luzifer für den Hochmut, der Mammon für den Geiz, der Leviathan für den Neid, Satan für den Zorn, Asmodeus für die Wollust, der Beelzebub für die Völlerei und der Belphegordie der Faulheit. Zusätzlich zu den Dämonen wurden die Kardinaltugenden den Lastern gegenübergestellt.

Todsünden und Graveyard Keeper – geht das?

In den einschlägigen Graveyard Keeper Theorien werden die Personen folgendermaßen zugeordnet:

Der Bischof steht für den Stolz, Frau Anmut für die Wollust, der Kaufmann für die Völlerei, Schlange für Neid, der Inquisitor für den Zorn und der Wissenschaftler für die Trägheit. Der Geiz fehlt also laut den Theorien. Vielleicht sollten wir, damit wir die Zuordnungen besser verstehen, die Personen etwas beschreiben:

Bischof: Er ist der Schönling, der eitle Charakter in Graveyard Keeper. Ständig mit seinem Spiegelbild beschäftigt, liebt er schöne Statuen. Am besten von sich selbst. Die Kathedrale soll selbstverständlich möglichst pompös ausgebaut sein und zeitgleich liebt er große Veranstaltungen, in denen er im Vordergrund steht.

Frau Anmut: Von einem „Geh mir aus dem Weg du wertloses Stück!“ bis hin zu einem „Hey Süßer“ ist bei Frau Anmut alles drin. Sie ist die schwer zu erobernde Frau. Wirklich? Na ja, es sei denn du hast Geld oder siehst gut aus. Ausstrahlung ist schließlich alles und innere Werte nebensächlich, das ist Frau Anmuts Motto.

Der Kaufmann: Eine salzige Gabel erhält man von diesem etwas fülligerem jungen Mann. Ja, füllig, richtig. Er ist das Schleckermaul in Graveyard Keeper und zeitgleich der geschickte Kaufmann. Geld, Geld, Geld, das ist wichtig!

Schlange: Ich will dies haben, ich will das haben. Und nicht nur das, ich will jeden Töten und für meinen Neid gehe ich über Leichen. Das ist der Lebensstils Schlanges. Dunkle Bräuche und Rituale sind genau sein Ding, leider sind seine wertgeschätzten Kultisten nicht so ganz intelligent.

Inquisitor: Der Inquisitor, der Mensch mit der ewig glühenden Kohle. Der blanke Zorn blitzt durch seine Augen und er möchte alles verbrennen, was nur nach „Hexe“ aussieht. Er weiß wie man die Menschen zu einer Verbrennung lockt: Mit Essen und Trinken!

Wissenschaftler: Der weiße und weise Opa, welcher keine Lust auf Arbeit hat. Seine größten Erfolge hatte er bereits erreicht, also warum nicht zur Ruhe setzen? Außerdem sehnt er sich nach seiner Tochter und möchte diese wiedersehen, schnellstmöglich. Die Liebe scheint der Tochter gewiss.

Todsünde und Graveyard Keeper – ein Vergleich

Die Personen stimmen ungefähr mit den Hauptlastern überein. Jedoch sind die Hauptlaster, genau wie die Personen, nicht in einem schwarz-weiß Denken eindeutig. Denn der Bischof ist hochmütig und neidisch. Der Kaufmann ist der Völlerei und der Habsucht verfallen. Schlange ist neidisch und zornig.

Die Verbindungen werden durch die Familienverhältnisse deutlich: Der Kaufmann ist der Bruder des Bischofs, Schlange der Sohn des Inquisitors und Frau Anmut die Tochter des Wissenschaftlers. Denn die „Todsünde“ eröffnet die Tür für eine weitere „Todsünde“, weil sie, laut der Lehre über die Hauptlaster, die göttliche Gnade im Menschen schwächt. Die theologische Ausformung zeigt das Problem bereits: Eine Trennlinie zwischen den „Todsünden“ ist fast unmöglich, da diese aufgrund ihrer Eigenschaft ineinander übergreifen. Deswegen kann keine Person einem einzigen Hauptlaster anhängen, auch bei Graveyard Keeper nicht.

Alex